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Neues zum Megalithgrab Wewelsburg II

17.09.2020

Neues zum Megalithgrab Wewelsburg II

Referent: Leo Klinke M.A.

Der Fund eines Findlings vor wenigen Jahren auf einem Feld südlich der Wewelsburg bestätigte die Vermutung der Archäologen, dass sich nicht weit von der Lage des bereits in den 1980er Jahren ausgegrabenen Steinkammergrabes Wewelsburg I ein weiteres Großsteingrab, das als Wewelsburg II bezeichnet wird, befindet.

Im Sommer 2018 wurden Teile des Megalithgrabs „Wewelsburg II“ im Rahmen einer Lehrgrabung untersucht. Durchgeführt wurde diese von der Abteilung Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in Kooperation mit der Altertumskommission für Westfalen, der Stadt Büren und dem Kreismuseum Wewelsburg unter der Fachaufsicht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Das Grabungsteam unter der Leitung von Leo Klinke fand dabei zwischen Kalksteinen und Findlingen die jahrtausendealten sterblichen Überreste von dort Bestatteten. 2019 konnten geopyhsikalische Untersuchungen mittels Bodenradar angeschlossen werden. Durch elektromagnetische Wellen konnte ohne aufwändige Grabung die Bodenstruktur untersucht werden, um die genauen Maße und Lage des Galeriegrabes zu erfassen. Leo Klinke stellte in seinem Vortrag im Kreismuseum Wewelsburg nun erste Forschungsergebnisse der Forschungen zum Steinkammergrab Wewelsburg II vor.

Vor über 5000 Jahren errichteten die Menschen in Mittel- und Nordeuropa Bestattungsanlagen aus großen Steinen, die sogenannten Megalithgräber. Allein auf der Paderborner Hochfläche lassen sich 12 dieser Galeriegräber nachweisen, die der Wartbergkultur (3500-2800 v. Chr.) zugerechnet werden. Die Forschungsergebnisse ergaben, dass die Grabkammer 21 Meter lang war. Ursprünglich war die gesamte Grabanlage etwa zur Hälfte in den Boden eingetieft und wurde zusätzlich mit Erde überhügelt. Eine Besonderheit dieses Monumentes war, dass es sowohl aus weißlichen Kalksteinplatten, als auch aus mindestens einem rötlich-grauen Findling errichtet wurde. Zwischen ihnen formten Mäuerchen aus kleinen weißlichen Kalksteinplättchen das Kammerinnere zu einem rechteckigen Raum. Ursprünglich war die Grabkammer etwa einen Meter hoch, daher konnte man nur kriechend in die Kammer gelangen. Eine Pflasterung aus rötlichem Granitgrus bedeckte den Kammerboden. Längs in der Mittelachse befand sich ein sogenannter Laufsteg, von dem aus links und rechts die Toten bestattet wurden.

Die erste Untersuchung der Knochen ergab, dass in dem Grab sowohl Männer, Frauen als auch Kinder über mehrere Generationen beigelegt wurden. Ausführliche DNA-Untersuchungen der Knochen aus beiden Wewelsburger Steinkammergräbern sollen in der nächsten Zeit durchgeführt werden, um der Frage nachzugehen, ob es familiäre Verbindungen zwischen den Bestatteten gab.

Leo Klinke stellte heraus, dass die zum Abstützen der Grabkammerwände verwandten Findlinge etwas Besonderes darstellten, da diese Granitsteine nicht natürlich auf der Paderborner Hochfläche vorzufinden sind, sondern von Menschen unter erheblichen Mühen dorthin transportiert worden sein müssen. Überhaupt sei die Anlage der Megalithgräber eine körperlich sehr aufwändige Herausforderung für die Steinzeitmenschen gewesen. Außerdem verwies er auf einen weiteren interessanten Befund. Bei der Grabung sei ihnen an einer Stelle, an der eine Wandplatte fehlte, eine schwarzgefärbte Füllung aufgefallen, die sich als Holzkohlesicht herausstellte. Mittels Holzkohleanalyse konnten verschiedene Baum- und Strauchreste nachgewiesen werden, u. a. Linde, Kern- und Steinobstsorten und Buche. Warum die Menschen dort allerdings ein Feuer gelegt haben könnten, lässt sich heute nicht mehr nachweisen.

Die Grabungsfunde und Messergebnisse werden momentan in aufwändige 3D-Animationen und virtuelle Rekonstruktionen umgesetzt, die das ehemalige Aussehen der jungsteinzeitlichen Grablege verdeutlichen. Weitere Untersuchungen der Funde stehen noch an. Die Grabungsstelle selbst ist zur Sicherung des Galeriegrabes wieder zugeschüttet worden. Momentan wird geprüft, ob die Stelle aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen werden soll, um sie als touristisches Bildungsangebot für interessierte Besucher und Besucherinnen zu erschließen. Eine Möglichkeit wäre dabei die Aufnahme in die Route der Megalith-Kultur, die sich bereits entlang von Großsteingräbern durch Europa zieht.

Bild v.l.n.r.: Dr. Sven Spiong (Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen), Leo Klinke, Museumsleiterin John-Stucke und Louise Tharandt B.A. (Altertumskommission für Westfalen)

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Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
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