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Historischer Hintergrund

Der Chef der „Bauleitung der SS-Schule Haus Wewelsburg“, Hermann Bartels (l.), mit Heinrich Himmler (r.) und dem Bochumer Bauunternehmer Fritz Scherpeltz (Mitte) bei einer Ortsbegehung, Um 1936/1937
Der Chef der „Bauleitung der SS-Schule Haus Wewelsburg“, Hermann Bartels (l.), mit Heinrich Himmler (r.) und dem Bochumer Bauunternehmer Fritz Scherpeltz (Mitte) bei einer Ortsbegehung, Um 1936/1937

Die SS entwickelte sich unter Reichsführer-SS Heinrich Himmler zu einer der mächtigsten Organisationen im „Dritten Reich“. Sie verstand sich als soldatische und rassische Elite. Die Umsetzung dieses Anspruchs und ihrer menschenverachtenden, radikalen Ideologie brachte Millionen von Menschen den Tod.

Ab 1933 plante Heinrich Himmler, einen zentralen Versammlungsort für die Schutzstaffel (SS) in der Wewelsburg einzurichten. Zunächst als „Reichsführerschule“ für SS-Offiziere gedacht, wurden Ende der 1930er Jahre Maßnahmen ergriffen, welche die Wewelsburg mehr und mehr in eine abgeschottete, zentrale Versammlungsstätte für die höchsten SS-Offiziere umformen sollten.

Der Putz wurde in weiten Teilen abgeschlagen und der Graben vertieft, da das Schloss trutziger, „burgenähnlicher“ wirken sollte. Nordische Symbole prägten die Innenräume der Wewelsburg.
Himmler besuchte immer wieder – alleine oder mit Gästen – die Wewelsburg.

Er kündigte an, jährliche Gruppenführertreffen auf der Wewelsburg abhalten zu wollen, bei denen die ranghöchsten SS-Offiziere zusammentreffen würden. Ebenso sollten hier Vereidigungsfeiern stattfinden. Noch gegen Kriegsende ordnete Himmler an, die Wewelsburg solle das „Reichshaus der SS-Gruppenführer“ werden.

Ort der Selbstvergewisserung

Gruppenführertreffen auf der Wewelsburg, Mitte Juni 1941 - Im Hintergrund ist die Ostfassade der Burg zu erkennen. Burghauptmann Siegfried Taubert (mit Schirmmütze) blickt Richtung Kamera. Reinhard Heydrich ist am linken Rand zu erkennen, die Leiterin der Hauswirtschaft der Wewelsburg, Elfriede Wippermann, am rechten Rand.
Gruppenführertreffen auf der Wewelsburg, Mitte Juni 1941 - Im Hintergrund ist die Ostfassade der Burg zu erkennen. Burghauptmann Siegfried Taubert (mit Schirmmütze) blickt Richtung Kamera. Reinhard Heydrich ist am linken Rand zu erkennen, die Leiterin der Hauswirtschaft der Wewelsburg, Elfriede Wippermann, am rechten Rand.

Die geplante Funktion der Wewelsburg als ideologische Versammlungsstätte lässt sich an dem Gruppenführertreffen vom 12.-15. Juni 1941 veranschaulichen. Eine Woche vor Beginn des Russlandfeldzuges versammelte Heinrich Himmler hier die höchsten SS-Offiziere, die an der Planung des SS-Einsatzes beim Überfall auf die Sowjetunion beteiligt waren. 

Anwesend waren unter anderen Reinhard Heydrich (Chef des Reichssicherheitshauptamts), Kurt Daluege (Chef der Ordnungspolizei) und Karl Wolff (Chef des Persönlichen Stabes Reichsführer-SS). Ebenfalls anwesend waren die im Rahmen der Besatzungspolitik als Höhere SS- und Polizeiführer in der Sowjetunion vorgesehenen Friedrich Jeckeln, Erich von dem Bach-Zelewski und Adolf Prützmann sowie weitere hohe SS-Offiziere.

Konkrete Entscheidungen wurden nicht mehr getroffen. Während der Besprechungen ging bereits die Nachricht über den konkreten Angriffsbeginn aus Berlin ein. Stattdessen wurde das Treffen noch einmal genutzt, um sich auf den „Vernichtungskampf“ einzustimmen und sich in der weltanschaulich anheimelnden Atmosphäre einer „westfälischen Burg“ zu sammeln. 

Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess 1945/1946 erinnerte sich von dem Bach-Zelewski, Himmler habe in einer Rede bei dem Gruppenführertreffen auf der Wewelsburg den Zweck des Russlandfeldzuges mit der „Dezimierung der slawischen Rasse um dreißig Millionen“ angegeben.

Ort der Gigantomanie

Bebauungsplan der SS-Burganlage und der Siedlung Wewelsburg mit eingetragenen Parzellen des Dorfes, 1944
Bebauungsplan der SS-Burganlage und der Siedlung Wewelsburg mit eingetragenen Parzellen des Dorfes, 1944

Die Wewelsburg wurde in Verbindung mit ihrer geplanten Verwendung als elitärer, zentraler SS-Versammlungsstätte zum Gegenstand weitreichender architektonischer Pläne. Je umfassender der Machtanspruch Heinrich Himmlers und der SS im Deutschen Reich wurde, desto monumentaler wurden die Baupläne rund um die Wewelsburg. 

Die Pläne für die gigantische Burganlage entwarf der Münsteraner Architekt Hermann Bartels in enger Absprache mit Himmler. Sie sahen einen 600 Meter weiten Radius aus Gebäuden und Wällen vor. Mittelpunkt der Anlage sollte der Nordturm der Wewelsburg sein.

Ort des Leidens

Konzentrationslagerhäftlinge bei der Arbeit im Steinbruch unterhalb der Wewelsburg („Im Knick“), 1940/1941
Konzentrationslagerhäftlinge bei der Arbeit im Steinbruch unterhalb der Wewelsburg („Im Knick“), 1940/1941

Die Pläne sollten von Häftlingen eines extra für die Bauvorhaben eingerichteten Konzentrationslagers in Wewelsburg umgesetzt werden. Dieses rangierte ab 1941 als eigenständiges Hauptlager KZ Niederhagen/Wewelsburg im nationalsozialistischen KZ-System auf derselben organisatorischen Stufe wie die Lager Buchenwald oder Sachsenhausen. Über 3.900 Häftlinge wurden in das KZ Niederhagen-Wewelsburg deportiert. Mindestens 1.229 Menschen starben vor Ort infolge der Arbeits- und Haftbedingungen sowie Misshandlungen und Willkür durch die SS-Wachmannschaften. Das Konzentrationslager in Wewelsburg war aber auch Exekutionsort der Gestapo. Mindestens 56 Menschen wurden auf dem Lagergelände oder einem unweit im Wald gelegenen Schießstand der SS ermordet.

Historischer Ort

Der „SS-Obergruppenführersaal“
Der „SS-Obergruppenführersaal“

Nach der Niederlage von Stalingrad im Frühjahr 1943 wurde ein Baustopp verfügt und das Konzentrationslager bis auf ein 42 Mann starkes Restkommando aufgelöst. Am 2. April 1945 befreiten amerikanische Soldaten die KZ-Häftlinge, nachdem ein SS-Sprengkommando versucht hatte, die Wewelsburg zu zerstören.

Als bauliche Überreste der NS-Architektur sind zwei Räume im Nordturm der Wewelsburg erhalten geblieben: Die „Gruft“ und der „Obergruppenführersaal“. Beide Räume wurden während der NS-Zeit nicht genutzt, über den geplanten Verwendungszweck liegen keine gesicherten Angaben vor. 

Das Sonnenradmotiv im Fußboden des „Obergruppenführersaals“ wird seit den 1990er Jahren in rechtsextremen Kreisen auf der ganzen Welt zu einem Erkennungs- und Heilszeichen stilisiert und missbraucht.

Gedenkstätte Wewelsburg

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