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Juden in Westfalen im 19. und frühen 20. Jahrhundert

25.04.2019

Referent: Prof. Dr. Arno Herzig

Mehr als voll besetzt war der Burgsaal  zum Vortrag des bekannten Historikers Arno Herzig.

Anlässlich der Sonderausstellung „Aus zwei Quellen“– Vom Leben und Wirken Jakob Loewenbergs (1856-1929) hatte das Kreismuseum Wewelsburg zu einem Vortragsabend mit Prof. Dr. Arno Herzig zum Thema „Juden in Westfalen im 19. und frühen 20. Jahrhundert“ geladen. Der emeritierte Professor aus Hamburg hat sich bereits früh in seiner Forschungsarbeit mit den jüdischen Bewohnern Westfalens befasst und hier grundlegende Arbeit geleistet. In seinem Vortrag führte Prof. Herzig vor allem die Entwicklung der westfälischen Juden seit der napoleonischen Besetzung über die Revolutionszeit bis zur Hochindustrialisierung und dem Ende des Deutschen Kaiserreiches aus. Hierbei hob er die Bedeutung des ökonomischen und kulturellen Einflusses der jüdischen Bevölkerung auf die nichtjüdische Bevölkerung hervor.

Seit der Aufklärung wurde das Bewusstsein für die jüdische Bevölkerung in den deutschen Staaten immer mehr auf deren rechtliche Gleichberechtigung gelenkt. Tatsächlich trat diese in Westfalen 1808 in Kraft, als der westfälische König Jérôme Bonaparte die völlige rechtliche Gleichstellung ausrief. Lange währte dieser Zustand jedoch nicht, gerade aus dem städtischen Bürgertum kam entschiedener Widerstand gegen die Emanzipation der Juden. Beliebtes Motiv war hier immer wieder die Mär vom Wucher, den Juden gegenüber den Christen betreiben würden. Die vollständige Gleichheit wurde schon 1813 wieder zurückgenommen. Der verstärkte liberale Einfluss auch innerhalb der jüdischen Bewohner führte allerdings dazu, dass sich in Westfalen die ersten jüdischen Reformgemeinden herausbildeten, die den jüdischen Gottesdienst dem protestantischen Gottesdienst annäherten.

Die Anpassungsbemühungen der Juden blieben über die Jahre nicht unfruchtbar und gerade in Städten, wie Paderborn, wo ein friedliches und gutes Miteinander von Juden und Christen das Verhältnis dominierte, sprachen sich auch immer mehr Christen für eine Gleichstellung der Juden aus. Jedoch, so betont Herzig, kam es selbst in dieser Zeit der kulturellen und sozialen Annäherung zu einzelnen Ausschreitungen gegen Juden, wie etwa 1843 in Minden und in anderen Städten Westfalens.
Spätestens mit der Reichsgründung 1871 wurde die vollständige, rechtliche Gleichstellung der jüdischen Bevölkerung für das ganze Deutsche Reich festgelegt. Einschränkungen blieben jedoch weiterhin bestehen. So blieb es für Juden schwierig, zu studieren oder im Militär aufzusteigen.

Für die Juden in Westfalen zeichnet Prof. Herzig zudem das Bild einer sozial und konfessionell mobilen und modernen Gruppe. So zogen viele jüdische Landbewohner in die Städte, und das Reformjudentum wurde zur führenden religiösen Ausrichtung. Gleichzeitig aber bleiben viele Juden ihren traditionellen Berufsstrukturen treu. Trotz der Bemühungen jüdische Lehrlinge in einem Handwerk auszubilden, blieben die meisten jüdischen Bewohner Westfalens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren alten Berufen treu. Dazu gehörten der Handel mit Getreide und Vieh, die Manufakturwaren und der Tuchhandel. Auch der gesellschaftliche Aufstieg durch akademische Berufe schien attraktiv, ebenso das Kreditwesen, wie Herr Herzig am Beispiel des Paderborner Bankhauses Padersteinscher Bankverein zeigt.
Die jüdische Akkulturation, so Herzigs Fazit, war für die gesamtdeutsche Bevölkerung ein Gewinn. Die sozialen und ökonomischen Leistungen der deutschen Juden wirkten auf das gesamte Reich sowie seine wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung.

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