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Heinrich Himmler

28.10.2010

Eine Biographie, Prof. Dr. Peter Longerich

Der bekannte NS- und Holocaustforscher Prof. Dr. Peter Longerich referierte in Wewelsburg über den Mann an der Spitze der SS: Heinrich Himmler. Wer war der "Reichsführer SS", Chef der deutschen Polizei, Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, Innenminister und Befehlshaber des Ersatzheeres?

„Heinrich der Anständige“

Großes Besucherinteresse in der Wewelsburg bei Prof. Dr. Peter Longerichs Vortrag über Leben und Taten von SS-Chef Heinrich Himmler

Kreis Paderborn (krpb). Immer wieder hob Heinrich Himmler, Reichsführer SS und neben Hitler Hauptverantwortlicher für die Verbrechen des Nationalsozialismus, in Briefen, Reden oder Befehlen die Tugend der Anständigkeit hervor. So erwähnte er 1943 etwa, die Massentötungen „durchgehalten zu haben und dabei abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwäche anständig geblieben zu sein“, so Himmler. Das habe die SS „hart“ gemacht. Dass es sich bei dieser „Anständigkeit“ um eine Doppelmoral handelte und es sich bei den Tötungen nicht um – in SS-Augen – sachliche, „anständige“ Arbeitsabläufe handelte, sondern Korruption, Unterschlagung, Sadismus und Willkür an der Tagesordnung waren, unterstrich der Biograph Himmlers, der renommierte Holocaust-Forscher Peter Longerich, gestern während seines gut besuchten Vortrags im Burgsaal der Wewelsburg. Anschließend stellte er sich den Fragen des Publikums.

Die Psyche eines Mörders
Nichts in Himmlers Kindheit oder Jugend, so Longerich, keine abnormen Charakterzüge oder Defekte deuteten auf die spätere „Karriere“ als Massenmörder hin. Longerich wies nach, dass Himmler Machtpolitiker war, der geschickt durch rastlose Arbeit, Intrigen und Kaltblütigkeit zu einer der einflussreichsten Personen des „Dritten Reiches“ wurde. In Abkehr zu seiner christlichen Erziehung schuf er sich und seiner SS eine mit okkulten Elementen angehauchte Ersatzreligion von der Höherwertigkeit der eigenen Rasse. Emotional gehemmt und körperlich kränkelnd kompensierte Himmler eigene Unzulänglichkeiten durch enorme Selbstkontrolle und Disziplin. Es wäre jedoch zu einfach gedacht, so Longerich, die Ereignisse des Nationalsozialismus nur aus den Merkmalen der Haupttäter erklären zu wollen. Die spezifischen Begleitumstände der Zeit hätten in Verbindung mit der Persönlichkeit Himmlers eine hochgefährliche Verbindung ergeben.

Longerich betonte, dass Himmler nachhaltig Einfluss auf die Ingangsetzung des Holocaust zwischen Sommer 1941 und Sommer 1942 nahm, unter anderem durch eine enorme Reisetätigkeit. In großer Zahl besuchte er die eroberten und besetzten Gebieten, die Massenerschießungen hinter der Front oder die Konzentrationslager. In seinem Kalender vermerkte Himmler wie selbstverständlich, nach einem morgendlichen Besuch eines KZ das gemeinsame Spielen mit Tochter „Püppi“. Die letzten Tage vor Beginn des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion im Juni 1941 verbrachte Himmler mit Blumen pflücken am Tegernsee. 

Er wünsche sich, in seinem Leben auch richtig unanständig sein zu können, hatte Heinrich Himmler seine Ehefrau Margret in einem Brief einmal wissen lassen. Aus heutiger Wahrnehmung ist ihm dies gründlich gelungen.

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