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Der Streit um die Erinnerung an NS-Geschichte

25.11.2010

Das Beispiel Wewelsburg, Wulff E. Brebeck

Welche Prozesse von Trauer und Sprachlosigkeit, Schuldabwehr und Scham, Verdrängen und Schweigen, Aufarbeiten und Gedenken gab und gibt es seit 1945? Der Vortrag des Wewelsburger Museumsleiters Wullf E. Brebeck zeigte, dass die Entwicklung in Wewelsburg als Spiegel der gesamtgesellschaftlichen Geschichte gesehen werden kann.

Vom langen Weg, negative Geschichte anzunehmen

Museumsleiter Wulff E. Brebeck sprach über den schwierigen Umgang mit NS-Geschichte

So wie in ganz Deutschland sahen sich auch die Bewohnerinnen und Bewohner des Ortes Wewelsburg nach Kriegsende damit konfrontiert, sich mit den verbrecherischen Auswüchsen der NS-Vergangenheit auseinandersetzen zu müssen. Die Bevölkerung des Dorfes war sogar stärker gefordert als andere Orte, hatte hier die SS doch mit einem Konzentrationslager und über tausend Toten ein schlimmes „Erbe“ unmittelbar vor der eigenen Haustüre hinterlassen. Von dem häufig wechselhaften und konfliktbelasteten Umgang mit der eigenen NS-Geschichte berichtet der Leiters des Kreismuseums, Wulff E. Brebeck, am vergangenen Donnerstag in der Wewelsburg. 

Brebeck, seit 1980 Leiter der Einrichtung, ließ die Phasen des Gedenkens in seinem eindringlichen Vortrag Revue passieren. „Gibt es eine Mitverantwortung der Mehrheit der Deutschen für das, was sie nicht jeweils mit eigenen Händen getan, wogegen sie aber auch nichts unternommen haben?“ fragte Wulff Brebeck während seines Vortrags und lieferte selbst gleich eine Antwort: „Der Hitler-Krieg war ein verbrecherischer Krieg und niemand konnte darin unschuldig bleiben.“ Gerade in den 1950er und 1960er Jahren war diese Ansicht zunächst vehement abgelehnt worden. Schweigen und Verdrängen prägten eine ganze Kindergeneration. Die Frustration über diese Schuldabwehr entlud sich in den Studentenprotesten der „68er Jahre“. Die Opfer der NS-Gewalt fristeten hingegen in dieser Zeit in Wewelsburg wie allgemein in der BRD ein Schattendasein. Zu groß war offensichtlich die deutsche Selbstwahrnehmung als Geschädigte, zu ungeheuerlich die Schuld, die man sich hätte eingestehen müssen. 

Diese Missachtung der Opfer der NS-Gewalt äußerte sich in Wewelsburg im jahrelangen Streit um Mahnmale oder Erinnerungsstätten: Mahnmale wurden eingeweiht und wieder geschlossen, Gedenktafeln angebracht, kontrovers diskutiert und wieder entfernt. Die 1982 eröffnete zeitgeschichtliche Dokumentation, die mehr und mehr auch zur Gedenkstätte wurde, markierte einen wichtigen Meilenstein im langwierige Prozess des Umdenkens. Eine wichtige Funktion nahmen hier auch die vom Kreis Paderborn organisierten Überlebendentreffen ein, in denen es zu einer Annäherung zwischen ehemaligen KZ-Häftlingen und Dorfbevölkerung kommen konnte. Im Jahr 2000 schließlich wurde auf Initiative von jungen Menschen aus Wewelsburg ein Mahnmal auf dem ehemaligen Appellplatz des KZ Niederhagen eröffnet.

Wulff Brebeck unterstrich jedoch in seinem Vortrag, dass es keinesfalls nur ein Generationswechsel sei, der das Erinnern und Gedenken heute möglich macht, sondern auch ein Prozess der Neuinterpretation eigener Erfahrungen bei den deutschen Zeitzeugen, das Zulassen neuer Einsichten. Dieser Lernprozess – das wurde auch in der anschließenden Diskussion mit den zahlreich erschienenen Besuchern deutlich – bedurfte allerdings dieser langen Zeit. „Angesichts des unabänderlichen Verstummens der Zeitzeugen in absehbarer Zukunft bleibt es eine unumgängliche Herausforderung, sich mit den Opferschicksalen zu befassen und sich sachlich und auch selbstkritisch damit auseinanderzusetzen, wie Diktatur und totalitäre Ideologie möglich sind“, so Brebeck abschließend. Die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933-1945 stelle sich dieser Aufgabe. Sie informiere umfassend über die Geschichte der Schutzstaffel (SS) der NSDAP. Zugleich werde hier der Opfer der SS-Gewalt gedacht.

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