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Hans Drach und seine Geschwister

Reinhard Fromme

In der Vorbereitung zu der Gedenkfeier des 75. Jahrestages der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers am 2. April 1945 nahm die Großnichte von Hans Drach, Kontakt mit dem Kreismuseum Wewelsburg auf, um Informationen über die Todesumstände ihres Großonkels in Erfahrung zu bringen.

Im Austausch erhielt das Kreismuseum freundlicherweise neue Erkenntnisse zur Biographie Hans Drachs und seiner Familie, aus der von den Nachfahren betriebenen Familienforschung.


Hans Eduard Drach wurde als Sohn der Eltern Fritz Drach und Anna Bertha Drach (geb. Goldmann) am 31. Mai 1914 in Genf geboren und hatte zwei Geschwister, Rosa und Thomas. Der Vater spielte eine bedeutende Rolle im sogenannten „Spartakus-Aufstand“ in Berlin im Januar 1919 bei der Besetzung der Verlagshäuser Ullstein und Mosse.

Nachdem sich Hans Drach der sozialistischen Bewegung in Berlin anschloss, emigrierte er nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in die Sowjetunion. Mit anderen Künstlern im Exil, gründete der Schriftsteller und Schauspieler 1935 in Dnejpropetrowsk das „Deutsche Kolchostheater“. Dort schrieb er den Text zu dem Lied „Mein Vater wird gesucht“, den er an die im Exil in Prag lebende Gisela Kohlmey schickte, die ihn vertonte.

Wegen angeblicher Spitzeltätigkeiten wurde er 1936 verhaftet und im Zuge des Hitler-Stalin-Pakts 1939 an die Gestapo ausgeliefert. Nach einer Folge von verschiedenen Lageraufenthalten verliert sich seine Spur, und seine Name taucht erst wieder am 22. Oktober 1941 auf der Liste eines Häftlingstransportes aus dem KZ Sachsenhausen in das KZ Niederhagen auf. Bereits nach sieben Wochen, am 10. Dezember 1941, starb Hans Drach laut Todesbescheinigung der Standesbeamten in Wewelsburg aufgrund „Selbstmord durch Erhängen“. Die wahren Todesumstände lassen sich nicht mehr aufklären. Nach neuen Erkenntnissen wurde der Leichnam im Städtischen Krematorium in Bielefeld verbrannt, da im KZ Niederhagen erst im Oktober 1942 ein lagereigenes Krematorium in Betrieb ging. Die Urne wurde an das KZ-Sachsenhausen bei Berlin gesandt und dort auf einem Urnenfeld des Waldfriedhofs Güterfelde in Berlin-Wilmersdorf unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit der Urnennummer 1309 beigesetzt.

Seine ältere Schwester Rosa Drach kam 1912 in Annemasse in Frankreich, nahe der Schweizer Stadt Genf zur Welt. 1933 wurde sie aufgrund der Verbreitung von Flugschriften wegen „Verschwörung zum Verrat“ inhaftiert und verbrachte ihre Haftzeit im Untersuchungsgefängnis Moabit und im Frauengefängnis Barnimstrasse in Berlin. Nach ihrer Haft beschloss sie Krankenschwester zu werden und ging nach England, wo sie eine Familie gründete, eine neue Existenz aufbaute und im Januar 2017, im Alter von über 100 Jahren, verstarb.

Der Bruder Thomas (Gideon) Drach wurde im Jahre 1916 in München geboren. Nachdem er seine Jugend in Deutschland verbrachte, ging er 1933 nach Litauen, wo er vermutlich den neuen Vornamen Gideon annahm. Seit 1936 wohnhaft in Amsterdam, wurde er nach der nationalsozialistischen Besetzung der Niederlande Mitglied der Widerstandsorganisation „Gruppe Westerweel“ um den überzeugten Pazifisten und Lehrer Joop Westerweel. Mittlerweile in den Untergrund abgetaucht, verhaftete die Gestapo Gideon Drach 1944 und deportierte ihn in das Durchgangslager Westerbork.

Nach abenteuerlicher Flucht verhaftete man ihn zu Beginn des Jahres 1945 erneut und brachte ihn wiederum nach Westerbork, wo er am 12. April durch die alliierten Truppen befreit wurde. 1947 heiratete er Margot Rosenthal und emigrierte mit ihr als Gideon und Margalit Drach nach Israel, wo er am 30. Mai 1990 verstarb. Seine Frau, Tochter und Enkel leben heute in Haifa, Israel.

Mein Vater wird gesucht

(Text: Hans Drach)

Mein Vater wird gesucht,
er kommt nicht mehr nach Haus.
Sie hetzen ihn mit Hunden,
vielleicht ist er gefunden
und kommt nicht mehr nach Haus.

Oft kam zu uns SA
und fragte, wo er sei.
Wir konnten es nicht sagen,
sie haben uns geschlagen,
wir schrien nicht dabei.

Die Mutter aber weint,
wir lasen im Bericht,
der Vater sei gefangen
und hätt‘ sich aufgehangen,
das glaub‘ ich aber nicht.

Er hat uns doch gesagt,
so etwas tät‘ er nicht.
Es sagten die Genossen,
SA hätt‘ ihn erschossen
ganz ohne ein Gericht.

Heut‘ weiß ich ganz genau,
warum sie das getan.
Wir werden doch vollenden,
was er nicht konnt‘ beenden
und Vater geht voran!

Urnenfeld auf dem Waldfriedhof Güterfelde, Foto: Klaus Leutner, Berlin 2018
Urnenfeld auf dem Waldfriedhof Güterfelde, Foto: Klaus Leutner, Berlin 2018
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