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Büngener Kriegsnotizen

2020|3

Deutsch-FRanzösischer Krieg

Vor 150 Jahren, im Juli 1870, begann der Deutsch-Französische Krieg. In seinem Verlauf musste Kaiser Napoleon III. nach der französischen Niederlage in der Schlacht von Sedan (2. September 1870) abdanken. Es begann die Epoche der Dritten Französischen Republik. Am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles der preußische König Wilhelm I. zum ersten Deutschen Kaiser proklamiert. Unter preußischer Führung entstand ein vereintes Deutsches Reich. Die brutalen Kampfhandlungen kosteten mehrere Hunderttausend französischer und deutscher Soldaten das Leben oder die Gesundheit. Sie endeten am 28. Januar 1871 mit der Kapitulation der französischen Hauptstadt Paris und der Unterzeichnung eines Waffenstillstandes. Der Friedensvertrag von Frankfurt am Main markierte am 10. Mai 1871 das offizielle Ende des Krieges.

Das Kreismuseum Wewelsburg beschäftigt sich mit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 auf zweierlei Weise: Auf dem 12. Wissenschaftlichen Symposium am 12. September 2020 wird die Geschichte dieses Krieges aus unterschiedlichen Blickwinkeln unter die Lupe genommen. Außerdem wird im Frühjahr 2021 eine Ausstellung präsentiert, in der die Auswirkungen des Deutsch-Französischen Krieges auf das Paderborner Land beleuchtet werden. Aus nahezu allen Orten der Region nahmen Soldaten am Krieg teil. Manche von ihnen hinterließen Erinnerungsberichte oder Briefe über ihre Erlebnisse während des Feldzuges. Zahlreiche Familien hatten Opfer zu beklagen.

Nach Ausweis seines hier vorliegenden Entlassungsscheins trat der am 30. Mai 1848 in Fürstenberg geborene Stellmacher Johann Wilhelm Drüppel am 5. November 1869 als Ersatz-Rekrut der 2. Kompanie des Garde-Füsilier-Regiments in Berlin bei, also einer durchaus als vornehm geltenden Einheit, die aufgrund ihrer bunten Regimentsuniform den Spitznamen „die Maikäfer“ trug.

Während des Deutsch-Französischen Krieges nahm Drüppel an den Schlachten von Gravelotte-St. Privat (18. August 1870), Beaumont (30. August) und Sedan (2. September) teil. In Letzterer wurde er von einer französischen Bleikugel im Unterschenkel getroffen. Die Kugel wurde ihm zusammen mit Knochenteilen operativ entfernt. Beides – Kugel und Knochenstücke – sind hier zu sehen, wie auch das französische Pomadedöschen („Pomade Finet Paris“), in dem Drüppel seine ganz persönlichen Erinnerungsstücke an den Krieg mit nach Hause brachte.

Knapp ein Jahr nach dem Ende der Kämpfe wurde er zum 30. März 1872 „als dauernd ganz invalide“ aus dem Militärdienst entlassen und konnte aus Berlin nach Fürstenberg zurückkehren. Er wurde mit der Kriegsdenkmünze für die Feldzüge 1870/1871 ausgezeichnet, die in der Version für die aktiven Kriegsteilnehmer aus Bronze und laut Umschrift auf dem Rand „aus erobertem [französischen] Geschuetz“ gegossen wurde.

Das Foto des jungen Johann Drüppel zeigt ihn in der Uniform seines Regiments mit dieser Medaille. Bis zu seinem Tod am 27. April 1932 bereitete ihm die Verwundung vom September 1870 Schmerzen. Dennoch war er ein begeistertes Mitglied des Kriegervereins Fürstenberg, der entgegen der weit verbreiteten Zurückhaltung im Paderborner Land, bereits im Mai 1872 von den örtlichen Veteranen der „Reichseinigungskriege“ von 1864, 1866 und 1870/1871 gegründet wurde.

„Garde Corps. Garde Füsilier Regiment 2. Compagnie Entlassungsschein des Füsiliers Johann Wilhelm Drüppel. Jahrgang: 1869“
Pappe, Papier
Königliche Staatsdruckerei Berlin, 1872

Metalldöschen „Pomade Finet Paris“
Frankreich, um 1870

Bleikugel aus französischem Gewehr
Frankreich, 1870

Sechs Knochenstücke aus einem Unterschenkel des Johann Wilhelm Drüppel in Pergaminpapier
Entnommen nach dem 2. September 1870

Kriegsdenkmünze für die Feldzüge 1870/1871 für Kombattanten [aktive Kriegsteilnehmer], gestiftet am 20. Mai 1871
Träger: Johann Wilhelm Drüppel
Französische Geschützbronze, um 1871

Porträtfoto des jungen Johann Wilhelm Drüppel in der Uniform seines Regiments mit der Kriegsdenkmünze auf linker Brust
Neuer Abzug, Original: 1871/1872

Porträt des alten Johann Wilhelm Drüppel (1848–1932)
Fotopapier auf Pappe
1920er Jahre


Die Vitrine zum "Objekt des Quartals" befindet sich im Turmzimmer des Historischen Museums des Hochstifts Paderborn.

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