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Rückblick Mai

Hilfsnetzwerk engagiert sich für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine

Den Überlebenden, die durch den aktuellen Krieg in der Ukraine erneut bedroht sind, gilt unsere besondere Aufmerksamkeit. Das Hilfsnetzwerk sucht daher derzeit den direkten Kontakt zu den Überlebenden in der Ukraine in Form von Telefonanrufen aus Deutschland. So konnte beispielsweise mit einem ehemaligen Kriegsgefangenen und seiner über 70-jährigen Tochter gesprochen werden, die in einem Dorf im besetzten Gebiet Cherson leben. Für sie bedeutete der Anruf ein Funken Hoffnung, denn ihre Lebensmittelvorräte und Hygieneartikel sowie Medikamente waren größtenteils aufgebraucht. Dieser akuten Versorgungsnotlage wird durch Hilfspakete aus Kyiv begegnet, realisiert über Spenden durch das Hilfsnetzwerk und Partner*innen vor Ort. Svetlana Nejelscaia (stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Vereins KONTAKTE-KOHTAKTbI) führt für das Hilfsnetzwerk unter anderem diese Telefonate und betont: „Die Hilfe wird jetzt so dringend benötigt wie nie. Wir brauchen weiterhin ein großes bürgerschaftliches Engagement und sind auf Spenden angewiesen, um die Unterstützung vor Ort auch über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten zu können.“

In Hinblick auf den 77. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom NS-Regime am 8. Mai 1945 wiederholen viele der Überlebenden ihre mahnenden Worte gegen Krieg mit besonderer Eindringlichkeit. Der ehemalige sowjetische Kriegsgefangene Lev Frankfurt brachte dies bereits vor einigen Jahren bei einer Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne auf den Punkt: „Der Friede ist kostbar. Das Leben ist kostbar. Die Freiheit ist kostbar. Sie sind die Basis unserer Würde als Menschen. Gerade in schwierigen Zeiten gilt es, diese Einsicht zu schützen und zu bewahren.“

Lev Frankfurt Rede Besuch Gauck 6 Mai 2015 Ehrenfriedhof sowjetischer Kriegstoter Copyright und Fotograf Besim Mazhiqi

Lev Frankfurt Rede Besuch Gauck 6 Mai 2015 Ehrenfriedhof sowjetischer Kriegstoter Copyright und Fotograf Besim Mazhiqi

Anfang Mai konnte das Hilfsnetzwerk weitere 40 Menschen in der Ukraine und einige wenige auch auf der Flucht finanziell unterstützen. In den meisten Fällen geht es um eine kurzfristige Hilfe zur Bewältigung der Lebenshaltungskosten der nächsten Wochen. Über das Netzwerk-Mitglied Anzhela Beljak (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.) konnten rund 30 Menschen im Gebiet Odessa zum zweiten Mal gehofen werden. Frau Beljak macht durch eigene Recherchen und Kontaktpersonen in der Region Menschen ausfindig, die bisher nicht in Organisationsstrukturen für Opfer der NS-Verfolgung eingebunden waren und deren Geschichten noch unerzählt sind. So zum Beispiel das Ehepaar Babchinskij.

Ehepaar Babchinskij mit der Tochter noch vor Ausbruch des Krieges

Ehepaar Babchinskij mit der Tochter noch vor Ausbruch des Krieges

Boris Babchinskij war 10 Jahre alt, als die Sowjetunion angegriffen wurde. Er erlebte den Krieg im Dorf Perejma im Gebiet Odessa. Da er in der Schule Deutsch gelernt hat, konnte er die deutschen Besatzer verstehen. Er sammelte Informationen und gab sie an die Partisanen weiter. Dafür erhielt er brutale Prügelstrafen. Seine Frau Alla Bachinskaja wurde 1933 geboren und erlebte den Krieg als Kind in der Stadt Kadyivka im Gebiet Lugansk. Die deutschen Besatzer haben damals das Haus der Familie geplündert und sie zur Zwangsarbeit vor Ort gezwungen.

Alla D.s Mutter, die Zwangsarbeiterin Jewdokia L. (sitzend) 1943 in Köln (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Bp20642).

Alla D.s Mutter, die Zwangsarbeiterin Jewdokia L. (sitzend) 1943 in Köln (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Bp20642).

Im Mai waren unter den Empfänger*innen unter anderem 8 Überlebende, die zur Zwangsarbeit nach Köln verschleppt wurden, deren Kinder, die dort geboren wurden und ihre Nachkommen. Das NS-Dokumentationszentrum Köln hat nach Ausbruch des Krieges über Umwege und mit Hilfe von unseren Partner*innen in der Ukraine den Kontakt hergestellt und das Hilfsnetzwerk konnte mit den Auszahlungen beginnen. Eine von ihnen ist Alla D. aus dem Gebiet Poltava:

Jewdokia L. die Mutter von Alla D., wurde 1942 als 21-Jährige aus dem Dorf Jarochiwka in der oblast Poltawa zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. In Köln arbeitete sie zunächst als Küchenhilfe im Kolpinghaus, später als Hilfsarbeiterin in einer Möbelfabrik. Am 3. Juli 1944 kam ihre Tochter Alla in der Kölner Frauenklinik zur Welt. Jewdokia wurde von ihren Kolleginnen bei der Betreuung des Kindes unterstützt. Nach der Befreiung kehrten Mutter und Tochter in die Hei-mat zurück. Alla erfuhr erst im Erwachsenenalter vom Schicksal ihrer Mutter. 2006 besuchte sie auf Einladung der Stadt Köln ihre Geburtsstadt. Heute lebt sie in Dikanka in der oblast Poltawa. Im Mai 2022 hat sie 200 € vom Hilfsnetzwerk erhalten.

Text: Georg Smirnov,
NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

Wochenbericht 26.5.2022
Seit der Gründung des Netzwerks haben wir rund 80.000 EUR Spendengelder an über 460 Überlebende der NS-Verfolgung, ihre Angehörigen und unsere Kolleg*innen in der Ukraine und auf der Flucht ausgezahlt. Wir freuen uns, dass wir mit ARCA (Youth Agency for the Advocacy of Roma Culture in Ukraine) einen neuen Kontakt vor Ort haben, der Überlebende des Genozids an den Rom*nja kontaktiert und unterstützt. Dank der Spenden an das Hilfsnetzwerk konnte ARCA finanzielle Unterstützung an 30 Überlebende in der Ukraine weiterleiten. Einer von ihnen ist der 96-jährige Ivan Kornijovych B. aus Cherkasy.

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