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Ein Beschluss mit Folgen

09.11.2010

Ein Beschluss mit Folgen

Eine Millionste Besucher in der zeitgeschichtlichen Ausstellung des Kreismuseums Wewelsburg gezählt

Manchmal sind Entscheidungen epochemachend. Der Beschluss des Paderborner Kreistages am 6. Juli 1977, „zur Mahnung für die Lebenden und zum ehrenden Gedenken an die Opfer des KZ Niederhagen“ in der Wewelsburg eine Dokumentation zu errichten, dürfte dazu gehören. Im Paderborner Land wird seitdem Geschichte geschrieben. Mit Resonanz weit über die Region hinaus. In der Wewelsburg konnte in diesen Tagen der Millionste Besucher der zeitgeschichtlichen Ausstellung begrüßt werden. Renate Hillemeyer aus Paderborn, Leiterin der Fachschaft Geschichte am Gymnasium St. Michael in Paderborn, erhielt als Begrüßung den Band "Die SS, Himmler und die Wewelsburg" aus den Händen der stellvertretenden Museumsleiterin, Kirsten John-Stucke, überreicht.

Kontroverse um die Erinnerung an NS-Geschichte

Bis dahin war es ein weiter und vor allem umstrittener Weg. Bereits in der direkten Nachkriegszeit bis 1950 setzten sich die Überlebenden und die Alliierten deutschlandweit für ein Gedenken der NS-Opfer ein. Ein Mahnmal von besonderem Rang erhielt Wewelsburg 1950 durch die Initiative des ehemaligen Landrates in Büren, Dr. Aloys Vogel. Er beauftragte den in Büren geborenen Künstler Josef Glahe zur Ausführung von „thematischen Schaubildern“. Am 29. Juni 1950 wurde der Zyklus in der „Gruft“ des Nordturms während der Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung des Kreisheimatmuseums und der Jugendherberge der Öffentlichkeit übergeben. Bei ihr aber fanden die Gemälde mit Motiven über die zerstörerischen Folgen der SS-Herrschaft, den Novemberpogrom, KZ und Bombenkrieg bis zur Vertreibung keine Würdigung bzw. Beachtung. Die Bilder verrotteten in den nächsten Jahren in der hohen Luftfeuchtigkeit. 1973 wurden sie aus dem Turmraum entfernt und landeten in einer Abstellkammer.

In den nächsten Jahren weihte man den Soldatenfriedhof bei Böddeken und das Kriegerdenkmal an der katholischen Wewelsburger Kirche mit weiteren Orten für die Toten des Zweiten Weltkrieges ein. Ein Gedenken der KZ-Opfer war in diesen Jahrzehnten im Ort Wewelsburg nicht geplant. 1965 wurde auf Initiative des Bundes der Verfolgten des Naziregimes eine Gedenktafel im Innenhof der Wewelsburg aufgehängt. Aber auch diese wurde nach jahrelangem Druck der Öffentlichkeit wieder entfernt.
Einrichtung einer Dokumentation

Als die Wewelsburg im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975 an den Kreis Paderborn überging, wurde sie von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen. „Fast paradigmatisch für diese Zeit geriet die Wewelsburg in das Zentrum linker Faschismuskritik“, berichtet Museumsleiter Wulff E. Brebeck. Im Vorfeld der ersten, vom Kreis Paderborn ausgerichteten Jugendfestwoche forderte der Kreisverband der Deutschen Kommunistischen Partei die Wiederanbringung der Gedenktafel. 1976 beantragte die SPD-Fraktion die Errichtung eines Mahnmals in der Wewelsburg. Nun musste darüber beschlossen werden. Mit der mehrheitlichen Ablehnung des Antrags begann der Paderborner „Mahnmalstreit“ mit einem bundesweiten Medienecho. Schließlich sah die Mehrheitspartei in der Schaffung einer dokumentarischen Ausstellung einen Ausweg.

Am 20. März 1982 wurde die Dauerausstellung „Wewelsburg 1933 – 1945. Kult- und Terrorstätte der SS“ in einem Festakt eröffnet. Sie behandelte mit fast ausschließlich lokalem Zuschnitt die Geschichte der Wewelsburg und des hiesigen Konzentrationslagers. „Dieser enge konzeptionelle Zuschnitt und die Ergebnisse der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung seither haben seit Mitte der 1990er Jahre Rufe nach einer Neukonzeption laut werden lassen“, erläutert Brebeck.
Neukonzeption und eine Million Besucher

Nach mehreren Jahren wissenschaftlicher Forschung und Ausstellungsgestaltung, in der durch den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes die historischen Räume des ehemaligen SS-Wachgebäudes freigemacht und für die Ausstellung renoviert wurden, ist mit dem Festakt am 15. April 2010 ein ehrgeiziges und umfangreiches Projekt vollendet worden: Auf über 850 m² informiert die neue Dauerausstellung "Ideologie und Terror der SS" nun umfassend über die Geschichte der Schutzstaffel und ihrer Verbrechen. „Der Kreis Paderborn bekennt sich auch mit der neuen Ausstellung zu seiner Aufgabe, mit der Vermittlung der Geschichte der SS an diesem Ort politische Bildungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten“, hatte Landrat Manfred Müller bei der Eröffnung erklärt. Mit der einzigen KZ-Gedenkstätte auf nordrhein-westfälischem Boden sei sich der Kreis Paderborn der Verantwortung zur Wahrung des Vermächtnisses der Opfer des SS-Terrors bewusst, so Müller.

Seit 1982 bietet das Kreismuseum Wewelsburg eine intensive gedenkstättenpädagogische Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen, die den Grundstock für den großen Erfolg bildet. Die Bilder von Josef Glahe wurden in diesen Tagen restauriert und sind nun in der Dauerausstellung zu sehen. „Mehr als eine Million Menschen aus dem In- und Ausland haben nun diese Einrichtung im Rahmen einer Führung näher kennen gelernt oder an Projekten, Seminaren, Gesprächskreisen und vielfältigen Veranstaltungen teilgenommen“, bilanziert die stellvertretende Museumsleiterin Kirsten John-Stucke. Dieser Weg soll konsequent weiter beschritten werden. „Das moderne Ausstellungskonzept mit multimedialer Präsentation kommt an. Das zeigt uns auch die steigende Zahl der jungen Einzelbesucher“, so John-Stucke.

Übergang 4

Anschrift

Kreismuseum Wewelsburg
Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
Deutschland

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