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Neues pädagogisches Profil „Tat-Ort Gedenkstätte Wewelsburg“

09.03.2010

Neues pädagogisches Profil „Tat-Ort Gedenkstätte Wewelsburg“

Neue Angebote für Gruppen

Unter der Überschrift „Tatort Wewelsburg – Tat-Ort Gedenkstätte“ ist im Rahmen der Neukonzeption der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg eine Broschüre erschienen, die über Inhalte, Ziele und Methoden der Bildungsarbeit in der Gedenkstätte informiert.

Die historisch-politische Bildung gehörte von Anfang an zu den Aufgaben der seit 1982 bestehenden Dokumentation in Wewelsburg. Vor allem jugendlichen Besucherinnen und Besuchern sollte die Zeit des Nationalsozialismus im Ort Wewelsburg vermittelt werden. Im Laufe der Jahre entwickelten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dokumentation eine Fülle von Angeboten und didaktischen Materialien für die Arbeit in der Ausstellung und die historische Spurensuche im Dorf. Neue wissenschaftliche Forschungsergebnisse, neu entdeckte Quellen und nicht zuletzt zeitgemäße gedenkstättenpädagogische Ansätze und Methoden fanden auch in der pädagogischen Arbeit in Wewelsburg ihren Niederschlag. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Möglichkeit der Begegnung mit Überlebenden des ehemaligen KZ Niederhagen.

Nun steht die Eröffnung der neuen Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg mit der Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“ kurz bevor. Zeitgleich mit den immer konkreter werdenden Vorstellungen der Historikerinnen und Historiker zur neuen Ausstellung erarbeitete ein Pädagogenteam der Gedenkstätte die „Leitlinien der Bildungsarbeit“ für die nächsten Jahre. Hier flossen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte sowie Überlegungen zu einer aktuellen und zukunftsweisenden Gedenkstättenpädagogik ein.

Insbesondere wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die hauptsächliche Zielgruppe der historisch-politischen Bildungsarbeit in der Gedenkstätte Wewelsburg nach wie vor Jugendliche sind. „Viele Jugendliche haben ein großes Wissen über den Nationalsozialismus, ihre Bilder und Einschätzungen stammen häufig aus Spielfilmen und anderen Medien. In unserer Gesellschaft ist das Thema immer wieder in unterschiedlicher Weise präsent, und das wird auch von Jugendlichen wahrgenommen“, so Katharina Dehlinger, Diplom-Kulturpädagogin und Mitarbeiterin der Gedenkstätte. „Bei einem Besuch in Wewelsburg regen wir die Jugendlichen an, selbst tätig zu werden und eigene, auch kritische und kontroverse Fragestellungen zu entwickeln.“ Dabei spielt zum einen der ortsbezogene Aspekt eine wichtige Rolle. Jugendliche erkunden selbständig die baulichen Spuren der NS-Vergangenheit im Ort Wewelsburg und entdecken gleichzeitig, was eben nicht mehr zu sehen ist. Dies ermöglicht die Diskussion und Auseinandersetzung mit der Erinnerungs- und Gedenkkultur in Wewelsburg, aber auch in den Wohnorten der Jugendlichen und in ihren Familien sowie im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang.

„Ein weiterer, gerade für Wewelsburg relevanter Aspekt ist die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der SS, mit dem Tatort, dem Täterort Wewelsburg“, erläutert der Historiker Norbert Ellermann, der seit dreizehn Jahren in der Gedenkstätte mit Gruppen arbeitet. „Besucherinnen und Besucher bekommen zum Beispiel in einem Tagesseminar Einblick in konkrete Biografien von SS-Männern, die mit unterschiedlichen Aufgaben in Wewelsburg eingesetzt waren.“ Anhand verschiedener historischer Quellen erfahren die Teilnehmenden eines solchen Seminars etwas über das jeweilige Verhalten und die Motive der SS-Männer, über ihre Selbsteinschätzung und auch ihr weiteres Leben nach dem Krieg. „Was bewog diese Männer, sich am verbrecherischen Apparat der SS zu beteiligen? Wie und warum wurden sie zu Tätern? Diese Fragen beschäftigen uns auch heute noch“, so Norbert Ellermann.

Und der Nordturm? Was hat der denn überhaupt mit dem Konzentrationslager zu tun? Wie haben die Häftlinge im Lager gelebt? Was hatten sie zu Essen? Wie viele sind hier wie gestorben? „Wir Pädagoginnen und Pädagogen unterstützen Jugendliche bei der Beantwortung ihrer Fragen, zum Beispiel mit der Bereitstellung von Quellen- und Arbeitsmaterial oder als Moderatoren bei Diskussionen oder Präsentationen der Jugendlichen“, sagt Reinhard Fromme, Kunsthistoriker und schon 15 Jahre lang engagierter Mitarbeiter des Kreismuseums. „Es geht nicht nur um Faktenvermittlung, sondern darum, den Jugendlichen, für die diese Zeit ja unendlich weit weg ist, einen für sie relevanten Zugang zu ermöglichen.“ Dabei spielen auch aktuelle Themen eine Rolle, wie etwa die Frage nach Strukturen und Mechanismen von Ausgrenzung und Gewalt in der Gegenwart, nach Rechtsextremismus oder auch der eigenen Rolle im jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld.

Olga Heptin, Geschichtsstudentin aus Bielefeld und Mitarbeiterin in der Gedenkstätte, hat folgende Erfahrung mit Gruppen gemacht: „Wenn Schulklassen genug Zeit mitbringen, dann entwickeln sich sehr oft spannende Fragestellungen und Diskussionen, die Jugendlichen wollen immer mehr wissen und sind wirklich engagiert bei der Sache. Eine Zwei-Stunden-Führung kann höchstens einen ersten Überblick vermitteln. Aber dann geht es eigentlich erst richtig los.“ Für Gruppen, die sich intensiver mit den Themen beschäftigen oder Schwerpunktthemen vertiefen möchten, gibt es Tages- oder Mehrtagesseminare. Wenn Schülerinnen oder Schüler lieber körperlich tätige Erinnerungsarbeit leisten möchten, können sie an einem Workcamp am ehemaligen Schießstand der SS teilnehmen. Eine weitere Möglichkeit der Arbeit in der Gedenkstätte ist die Beschäftigung mit Lebenswegen von Opfern der SS-Gewalt in Wewelsburg anhand einer PC-Medieneinheit. Speziell für Kinder bietet die Gedenkstätte seit einigen Jahren das spielpädagogische Programm „Die Hingucker“ an. Hier geht es um Ausgrenzung, Rassismus und Zivilcourage.

Im Dachgeschoss des ehemaligen SS-Wachgebäudes auf dem Burgvorplatz gibt es nun auch neue Seminarräume, einen Filmraum und einen Computerraum mit acht PC-Arbeitsplätzen, Beamer und Drucker, sowie eine Teeküche. Außerdem können ein Werkraum, das Filmarchiv und die Bibliothek genutzt werden.

Das seit vielen Jahren engagierte Team der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte wird immer wieder neu herausgefordert vom eigenen Anspruch und dem Wunsch, durch die Ermöglichung der Auseinandersetzung mit dem Erinnerungsort Wewelsburg einen Beitrag zur Bildung und Unterstützung einer lebendigen Demokratie zu leisten. „Die Erweiterung des Themenspektrums in der neuen Dauerausstellung ergibt auch für unsere pädagogische Arbeit vielfältige neue Möglichkeiten“, so Katharina Dehlinger. „Wir sind selbst ganz gespannt auf das neue Arbeiten und freuen uns über Anregungen und konstruktive Kritik unserer Besucherinnen und Besucher. Wir laden herzlich ein, am Tat-Ort Gedenkstätte aktiv zu werden!“

Die neue Broschüre „Leitlinien der Bildungsarbeit“ und der Flyer „Angebote für Gruppen 2010“, der konkrete Seminar- und Führungsangebote beinhaltet, können über das Museumssekretariat bestellt oder auf der Homepage ab 15.4. 2010 eingesehen werden.

Übergang 4

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Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
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