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Schülerinnen und Schüler aus NRW kommen mit Zeitzeugin Erna de Vries in einem erinnerungskulturellen Projekt ins Gespräch (Foto: Stefan Querl, Villa ten Hompel)
 

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Auch ohne Pflichtbesuche gefragt wie nie: 356.000 Besucher in den NS-Gedenkstätten Nordrhein-Westfalens im Jahr 2017

Zahlen des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW zeigen: Auch ohne Pflichtbesuche verzeichnen Nordrhein-Westfalens Einrichtungen 2017 erneut einen Besucherrekord.

 

Der Trend der vergangenen Jahre setzt sich fort: Die NS-Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen haben 2017 so viele Besucherinnen und Besucher empfangen wie noch nie zuvor. Einer Erhebung des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW e.V. folgend konnten die Einrichtungen im vorherigen Jahr insgesamt über 356.000 Besuche zählen.

 

Fast zwei Drittel der Gäste kamen dabei in Gruppen und nutzten die vielfältigen Vermittlungsangebote der 28 Einrichtungen im Rheinland und in Westfalen, die sich im Arbeitskreis zusammengeschlossen haben. Über 6.500 Führungen sowie mindestens 1.630 Seminare vor allem mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen verdeutlichen das hohe Interesse gerade auch von Schulen und anderen Bildungsträgern. „Die Zahlen sind ein beeindruckender Beleg für die Bedeutung der Gedenkstätten für die historisch-politische Bildung“, stellt Professor Alfons Kenkmann fest. Der Vorsitzende des Arbeitskreises ordnet die große Nachfrage in die aktuelle Debatte um Gedenkstättenpflichtbesuche ein: „Ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein lässt sich eher in adressatenorientierten pädagogischen Projekten als durch zentral verordnete Pflichtfahrten vermitteln. Um auch weiterhin den hohen Ansprüchen an die, auch politisch gewünschte, Bildungsarbeit zu genügen, benötigen die Gedenkstätten vor Ort angesichts des enormen Interesses weitere Unterstützung durch den Bund und die Länder – insbesondere für ihre pädagogischen und musealen Programme.“

 

Dass viele NS-Gedenkstätten in NRW neben ihrer erinnerungskulturellen und pädagogischen Funktion auch einen wissenschaftlichen Auftrag wahrnehmen, zeigen die rund 2.500 Rechercheanfragen, die dort 2017 bearbeitet wurden. Tendenziell liegt diese Zahl deutlich höher: Nur rund die Hälfte der im Arbeitskreis vernetzten Institutionen zählte entsprechende Anfragen.

 

Was diese Statistiken allerdings nicht verraten: Während einige Einrichtungen wie die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf einen neuen Besucherhöchststand verzeichneten, sind andere in ihrer Existenz akut bedroht. So ist die weitere Nutzung der Gedenkstätte Französische Kapelle in Soest derzeit ungewiss. Mit der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache in Dortmund und der Gedenkstätte für die Landjuden an der Sieg in Windeck-Rosbach befinden sich zurzeit außerdem zwei Einrichtungen in der Umgestaltung. Man darf gespannt sein, wie sich die Einrichtungen in den nächsten Jahren mit völlig neuem Erscheinungsbild präsentieren werden.

 

Die Gedenkstättenlandschaft Nordrhein-Westfalens entwickelt sich laufend weiter. Auch die kleinen, weitgehend von außerordentlichem Engagement oder Ehrenamt abhängigen Einrichtungen durchlaufen einen steten Prozess der Professionalisierung. Gerade diese Dezentralität der kommunalen oder von Vereinen getragenen Gedenkorte zeichnet die Erinnerungskultur im bevölkerungsreichsten Bundesland aus. Hier greifen die Vernetzungstätigkeit des Arbeitskreises der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte NRW e.V. sowie die Förderprogramme der Landeszentrale für politische Bildung NRW und der Landesregierung.

 
 
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