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Kreismuseum Wewelsburg

Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
Tel.: 02955 / 7622-0
Fax: 02955 / 7622-22
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Historischer Hintergrund

Die SS entwickelte sich unter ihrem "Reichsführer" Heinrich Himmler zu einer der mächtigsten Organisationen im "Dritten Reich". Sie verstand sich als politische und rassische Elite. Die Umsetzung dieses Anspruchs und ihrer radikalen Ideologie brachte Millionen von Menschen den Tod.

Ab 1933 plante der "Reichsführer SS", Heinrich Himmler, ein ideologisches Zentrum für seine Schutzstaffel in der Wewelsburg einzurichten. Zunächst als Schulungsstätte für SS-Offiziere gedacht, wurden im Verlaufe der 1930er Jahre Maßnahmen ergriffen, welche die Wewelsburg mehr und mehr in eine abgeschottete, zentrale Versammlungsstätte für die höchsten SS-Offiziere umformen sollten. Der Putz wurde abgeschlagen und der Graben vertieft, damit das Schloss trutziger, "burgenähnlicher" wirkte. Nordische Symbole und Ornamentik prägten bald die Innenräume der Wewelsburg.

Himmler verweilte immer wieder - alleine oder mit Gästen - in Wewelsburg.
Er kündigte an, jährliche Gruppenführertreffen - also Zusammenkünfte der ranghöchsten SS-Offiziere - auf der Wewelsburg abhalten zu wollen. Ebenso sollten hier Vereidigungsfeiern stattfinden. Noch gegen Kriegsende ordnete Himmler an, die Wewelsburg solle das „Reichshaus der SS-Gruppenführer“ werden.

Himmler und sein Architekt für Wewelsburg, Hermann Bartels

„Reichsführer SS“ Heinrich Himmler (r.) mit seinem Architekten für Wewelsburg, Hermann Bartels

 

Ort der Selbstvergewisserung

Die Stellung der Wewelsburg als ideologischer Versammlungsstätte wird veranschaulicht durch das Gruppenführertreffen vom 12. bis 15. Juni 1941.
Eine gute Woche vor Beginn des Russlandfeldzuges versammelte Heinrich Himmler hier die höchsten SS-Offiziere, die an der Planung des SS-Einsatzes beim Überfall auf die Sowjetunion beteiligt waren. Anwesend waren unter anderen Reinhard Heydrich (Chef des Reichssicherheitshauptamts), Kurt Daluege (Chef der Ordnungspolizei) und Karl Wolff (Chef des Persönlichen Stabes von Himmler). Ebenfalls anwesend waren die für den Einsatz in der Sowjetunion vorgesehenen Friedrich Jeckeln, Erich von dem Bach-Zelewski und Adolf Prützmann sowie weitere zuständige SS-Offiziere.

Konkrete Entscheidungen wurden nicht mehr getroffen, Detailabsprachen fanden nicht mehr statt. Während der Besprechungen ging bereits der konkrete Angriffsbeginn aus Berlin ein. Vielmehr wurde das Treffen noch einmal genutzt, um sich weltanschaulich auf den "Vernichtungskampf" einzustimmen und sich in der weltanschaulich anheimelnden Atmosphäre zu sammeln. Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess nach dem Krieg erinnerte sich Bach-Zelewski, Himmler habe in einer Rede bei dem Gruppenführertreffen auf der Wewelsburg den Zweck des Russlandfeldzuges mit der "Dezimierung der slawischen Rasse um dreißig Millionen" angegeben.

Gruppenführertreffen Juni 1941

Gruppenführertreffen 12.-15. Juni 1941, Reinhard Heydrich (ganz links), „Burghauptmann“ Siegfried Taubert (zur Kamera schauend), „Burgbeschließerin“ Elfriede Wippermann (rechts)

 

Ort des Leidens

Die Wewelsburg wurde in Verbindung mit ihrer geplanten Verwendung als zentraler SS-Versammlungs- und Ideologiestätte zum Gegenstand weitreichender architektonischer Pläne. Je größer die Macht der SS im Deutschen Reich wurde, umso monumentaler wurden die Bau-Absichten. Eine gigantische Burganlage sollte in Wewelsburg entstehen, das "Reichshaus der SS-Gruppenführer", entworfen vom Münsteraner Architekten Hermann Bartels in enger Absprache mit Himmler. Umgesetzt werden sollten diese Pläne von Häftlingen eines extra für die Bauvorhaben eingerichteten Konzentrationslagers in Wewelsburg. Dieses rangierte ab 1941 als eigenständiges Hauptlager auf einer organisatorischen Stufe mit Lagern wie Buchenwald, Sachsenhausen oder Dachau.

KZ-Häftlinge im Steinbruch unterhalb der Wewelsburg, 1940

Häftlinge des KZ Niederhagen bei Zwangsarbeiten im Steinbruch unterhalb der Wewelsburg, 1940

 

Die Pläne für die Burganlage sahen einen mehrere hundert Meter weiten Radius aus Gebäuden und Wällen vor. Mittelpunkt dieses Dreiviertelkreises sollte der Nordturm der Wewelsburg sein. Über 3.900 Häftlinge des KZ Niederhagen-Wewelsburg wurden zur Umsetzung dieser und weiterer Bauvorhaben zur Arbeit gezwungen. Mindestens 1.285 Menschen fanden vor Ort infolge der Arbeits- und Haftbedingungen sowie Misshandlungen und Willkür durch die SS-Wachmannschaften den Tod. Das Konzentrationslager in Wewelsburg war aber auch Exekutionsort der Gestapo. Mindestens 56 Menschen wurden auf dem Lagergelände oder einem unweit im Wald gelegenen Schießstand der SS ermordet.

SS-Bauplan für die Wewelsburg

Bauzeichnung des SS-Projekts für Wewelsburg, 1944

 

Historischer Ort

Nach der Niederlage von Stalingrad wurde ein Baustopp verfügt und das Konzentrationslager bis auf ein 42 Mann starkes Restkommando aufgelöst. Obwohl Architekt weiterhin Baupläne entwarf, wurde die riesenhafte Burganlage folglich nicht fertig gestellt. 1945 befreiten amerikanische Soldaten das KZ-Restkommando, nachdem eine SS-Einheit noch erfolglos versucht hatte, die Wewelsburg dem Erdboden gleich zu machen.

Als bauliche Überreste der NS-Architektur sind heute zwei Räume im Nordturm der Wewelsburg erhalten geblieben, die auch Teil des Ausstellungsrundgangs sind: Die "Gruft" und der "Obergruppenführersaal". Über den geplanten Verwendungszweck liegen keine gesicherten Angaben vor. Ein Bodenornament aus dem "Obergruppenführersaal" ist seit den 1990er Jahren in rechten Kreisen auf der ganzen Welt zu einem Erkennungszeichen stilisiert worden.

"Obergruppenführersaal"

"Obergruppenführersaal" im Nordturm der Wewelsburg

 
 
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