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Kreismuseum Wewelsburg

Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
Tel.: 02955 / 7622-0
Fax: 02955 / 7622-22
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„Den Opfern ihre Würde zurückgeben"

Kirsten John-Stucke referierte im Kreismuseum Wewelsburg über die Erfahrungen der Häftlinge des KZ Niederhagen und die Darstellung ihrer Lebensgeschichten in der neuen Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS"

Kreis Paderborn (krpb). In kyrillischen Buchstaben steht „Moment" auf der Klebstofftube, die in einer schlichten Vitrine in der Ausstellung „Ideologie und Terror der SS" liegt. Pattex lautet der deutsche Name. Geschenkt hat dem Kreismuseum Wewelsburg diese Tube Nikolai Beltschenko, während eines Treffens von Überlebenden des KZ Niederhagen im Jahr 2000.
Der Geruch des Klebstoffes, so erläuterte der ehemalige ukrainische Zwangsarbeiter, erinnere ihn immer an seine Zeit als Häftling im Konzentrationslager in Wewelsburg, als er mit einem gleich riechenden Kleber Stoffbahnen verbinden musste. Andere Häftlinge hätten den Klebstoff aufgrund des großen Hungers zu Kügelchen gerollt und inhaliert oder geschluckt.

Erfahrungen der Häftlinge

Es sind solche Häftlingserfahrungen, von denen die stellvertretende Wewelsburger Museumsleiterin Kirsten John-Stucke kürzlich während ihres Vortrags im Burgsaal berichtete. Seit Jahren hat sie sich mit der Geschichte des Konzentrationslagers in Wewelsburg beschäftigt und insbesondere die Lebenswege der Häftlinge erforscht.

Die neue Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS" räumt den Erfahrungen der Häftlinge im Wewelsburger Lager großen Raum ein. Wie haben sie den Lageralltag erlebt? Welche Erfahrungen haben sie mit den SS-Wachmännern gesammelt? Wie reagierte die Wewelsburger Zivilbevölkerung auf die Nachbarschaft zu dem KZ? Die enorme Bandbreite unterschiedlicher Erfahrungen der Häftlinge wird in der Ausstellung anhand von zahlreichen Erinnerungsinterviews deutlich.

Auch die Wewelsburger Zeitzeugen kommen zu Wort: Zaghafte Versuche der Unterstützung, aber auch Hilflosigkeit oder Indifferenz lassen sich diesen „Oral-History"-Quellen entnehmen. SS-Wachmänner bleibt die Ebene des gesprochenen Wortes in der Ausstellung hingegen vorenthalten, zumal Interviewanfragen in der überwältigenden Mehrheit abgelehnt wurden.

Mehr als nur Opfer

In ihrem Vortrag unterstrich John-Stucke, dass sich die Lebensgeschichten der Opfer von SS-Gewalt nicht in ihren Verfolgungserlebnissen erschöpfen. In der Ausstellung bietet eine separate Erinnerungsstation mit Filmsequenzen aus den Interviews den Überlebenden den Raum, ihre Lebensgeschichten zu erzählen. Hierbei wird auch insbesondere auf die Lebensgeschichten der Häftlinge nach der Befreiung und ihre Bemühungen um gesellschaftliche Akzeptanz und Entschädigung eingegangen.

Ziel sei es, so John-Stucke, den Opfern ihre Würde zurückzugeben.
In der regen Diskussion, die sich an den Vortrag anschloss, wurde mehrfach unterstrichen, dass eine Zeitenwende bevorsteht: Mit dem unabwendbaren Verstummen der Zeitzeugen wird es - bei aller Quellenkritik - notwendig, über Interviews und „Oral History"-Aufzeichnungen die Erfahrungen und Erlebnisse der Opfer von SS-Gewalt für die Nachwelt zu bewahren.


 
     
     
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