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Kreismuseum Wewelsburg

Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
Tel.: 02955 / 7622-0
Fax: 02955 / 7622-22
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„Mein Vater hatte Angst, ich könnte etwas herausfinden“

Katrin Himmler las vor 250 Zuhörern im Burgsaal der Wewelsburg


Kreis Paderborn (krpb). Wohl unzählige Male dürfte ihr die Frage gestellt worden sein, ob sie etwa „mit dem Himmler“ verwandt sei. Was für ein Familienname, welch eine Bürde: Katrin Himmler ist die Großnichte von „Reichsführer“ Heinrich Himmler, also jenem Himmler, der die SS zu einer der mächtigsten Organisationen im so genannten Dritten Reich ausbaute. Millionen von Menschen fielen dem Terrorregime zum Opfer. Die Politologin Katrin Himmler hat das Ergebnis ihrer innerfamiliären Spurensuche in dem Buch „Die Brüder Himmler“ festgehalten. Am vergangenen Donnerstag las sie in Auszügen daraus in der Wewelsburg.

Familieninterne Recherche

Am Anfang ihrer Recherchen über die eigene Familiengeschichte hatte ein Anruf gestanden: Katrin Himmlers Vater bat seine Tochter, in den verschiedenen Archiven über ihren Großvater, Ernst Himmler, den jüngsten Bruder Heinrich Himmler, zu recherchieren. Gleichzeitig hatte der Vater jedoch auch Angst, sie könne bei ihren Recherchen etwas Belastendes aufdecken. Etwa 250 Besucher waren in den Burgsaal der Wewelsburg gekommen, um zu erfahren, wie Katrin Himmler mit der Bürde ihres Familiennamens umgeht und was sie bei ihren Recherchen herausgefunden hatte. Sie las und erzählte an einem geschichtsträchtigen Ort: Die Wewelsburg sollte nach den ursprünglichen Plänen ihres Großonkels als zentrale SS-Versammlungs- und Ideologiestätte, als "Reichshaus der SS-Gruppenführer“, ausgebaut werden.

Katrin Himmler beleuchte die dunkle Familiengeschichte, räumte auf mit den Legenden: Lange Zeit hatte Heinrich Himmler innerhalb der Familie als der „ungeratene Außenseiter“ in einem humanistisch geprägten Elternhaus gegolten. Seine Brüder und die Eltern seien weitestgehend unpolitisch und in das NS-Regime nicht weiter verstrickt gewesen, hieß es. Erst Katrin Himmlers Recherchen belegten auch für die restlichen Familienmitglieder eine tiefe nationalsozialistische Überzeugung. Und nicht nur das: Beide „Brüder Himmler“, Gebhard der Ältere und Ernst der Jüngere, waren Mitglieder der SS und profitierten beruflich wie privat – etwa durch Darlehen aus SS-Kassen für den eigenen Hausbau – von ihrem berühmten Bruder.

Chancen der Aufarbeitung der eigenen NS-Familiengeschichte

Gebhard machte Karriere im Reichserziehungsministerium, Ernst war in leitender Funktion im Reichsrundfunk tätig. Katrin Himmler, die Ernst Himmler nie kennen lernte, entwickelte während der Recherchen eine gewisse Empathie für ihren Großvater, welche jedoch durch die Entdeckung eines denunzierenden Schreibens Ernsts an seinen mächtigen Bruder über einen „nicht arischen“ Rundfunkmitarbeiter auf eine harte Probe gestellt wurde. Und doch, trotz aller Emotionalität, so unterstrich sie in der anschließenden Diskussion, sieht sie große Chancen in der Beschäftigung mit der eigenen NS-Familiengeschichte. Ziel sei es nicht, die eigenen Vorfahren pauschal zu verurteilen, sondern vielmehr zu verstehen, welche Strukturen, Mechanismen und Kräfte Verbrechen wie im Nationalsozialismus möglich machten. Sie bedauerte dann auch, dass die innerfamiliäre Vergangenheitsbewältigung in der Breite in Deutschland noch nicht geschehen sei, viele Fragen noch gestellt werden müssten. Die vielen Nachfragen aus dem Publikum zeigten das große Interesse, das Katrin Himmler mit ihrer sachlichen und zugleich persönlichen Herangehensweise an das Thema weckte.

Die Vortragsreihe 2010 des Kreismuseums Wewelsburg – in deren Rahmen Katrin Himmler im Burgsaal sprach – wird nach einer Sommerpause am 16. September die stellvertretenden Museumsleiterin Kirsten John-Stucke mit dem Vortrag „Wewelsburg, ich kann dich nicht vergessen“ – Überlebende des KZ Niederhagen – Wewelsburg und ihre Erinnerungen“ fortgesetzt.

     
     
     
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